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[Projekt] Glaslaminierter Langbogen
#1
Hallo Leute,
nachdem in letzter Zeit etwas geklagt wurde, dass zu wenig Gebasteltes gezeigt wird und nur noch Werkstätten eingerichtet werden ( auch mir drängt sich dieser Eindruck auf) , möchte ich auch mal wieder einen kleinen Beitrag leisten. Zuerst muss ich sagen, dass ich kein professioneller Bogenbauer bin, sondern nur ein Bastler, der sich seine Hobbygerätschaften eben gerne selbst herstellt. Es gibt bestimmt viele Dinge, die man besser bzw. einfacher machen könnte, aber so wie ich es mache, funzt es für mich und ich bekomme Bögen mit denen ich im Bereich von Freizeitturnieren durchaus mithalten kann. Dass professionell gemachte Bögen wahrscheinlich leistungsfähiger sind, stört mich nicht, da ich mich mit jedem neuen Teil verbessern und irgendwann MEINEN Raketenwerfer bauen werde. Die einzelnen Bilder sind von verschiedenen Bögen, da ich es bisher versäumt habe, eine Werdegang komplett zu dokumentieren. Da die Vorgehensweise aber rel. gleich ist, fällt das nicht so sehr ins Gewicht.

Am Anfang jedes Bogens steht die Form, in welcher die Einzelteile zu einem Ganzen zusammen gefügt und verklebt wird. Diese Form besteht bei mir aus zwei aufeinander geklebten und verschraubten 19mm MDF-Platten. Diese werden mittels einer Schablone grob aufgezeichnet und anschließend mit der Oberfräse bündig bearbeitet. Um wirklich die allerletzten Unebenheiten zu egalisieren, habe ich zum Schluss noch eine Kieferleiste aufgeleimt, diese dann fein verschliffen und mehrfach mit Treppenlack versiegelt. Um diese sauber aufspannen zu können, aber auch zum Fixieren der späteren Bogenlaminate, habe ich Rundstäbe in die Form eingebracht, welche für die sog. Seil/Keil - Methode Verwendung finden. Ein Bild sagt da mehr als tausend Worte. Die seitlich angebrachten Scheiben, verhindern ein Verrutschen der Bogenteile zur Seite hin. Ist erst mal alles mit Epoxy eingestrichen, dann gibt es kein Halten mehr. Gerade bei meinen ersten Bögen hatte ich da massive Probleme. Durch die Scheiben wird alles da gehalten, wo es sein soll.  Sodele, jetzt mal ein paar Bilder, damit das Ganze auch verständlich wird. Das wäre dann auch mal Teil 1 - da es doch immer etwas viel Text werden wird, schreibe ich das als Mehrteiler. Zwischenfragen sind gerne willkommen und werden auch, so ich kann, beantwortet.
Die Bilder 3 und 4 sind zeitlich verdreht - das Dritte zeigt die Form nach dem Aufkleben der Kieferleiste (Bild 4).


Teil 2 - Griff
Teil 3
Teil 4


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#2
Na jetzt bin ich aber mal neugierig, wie es hier weiter geht.
Das Thema klingt ja sehr interessant.
... und wer mir was Gutes tun möchte: Amazon Wunschzettel

PS: Die Artikel bitte explizit an die "Wunschzettel Adresse" schicken lassen, ansonsten landen sie bei Dir. Wink
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#3
Besonders ich bin gespannt, da ich ein alter Bogenschütze bin (war). Damals zwang mich eine Verletzung an 2 Fingern dazu, den Bogensport zu beenden.

War ne schöne Zeit. Bin auf Deinen Fortschritt gespannt.
Gruß,
Michael

......denn das Kind im Manne stirbt nie.......


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#4
Hallo HaBe,
das werden doch Kompositbögen, oder?
Welches Holz nimmst Du dazu und warum dieses Holz?
Du schreibst Glaslaminat.
Glas ist doch verhältnismäßig schwer, warum nimmst Du kein Carbon?
Fragen über Fragen, bin gespannt wie es weiter geht.
Tolles Projekt.
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#5
Zunächst mal vielen Dank für die spannende Einleitung! Das macht Lust auf mehr.

Wie muß ich Glaslaminat verstehen? Mit dem Begriff kann ich nichts anfangen, ich denke an mehrere "Epox. mit Glasfaser"- Schichten, die dann laminiert werden. Liege ich da komplett falsch?

LG
----
Wos I net konn, konn Silikon
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#6
Hi,

@Mixbambullis: Das ist natürlich schade. Ich bin selbst noch nicht lange dabei, habe aber in den letzten zwei Jahren so viele nette, interessante und manchmal auch skurrile Menschen kennen gelernt, dass ich mich auf jedes Turnier freue, wie ein kleines Kind. In meinem Fall sind das bisher noch 3D-Freizeitturniere und da ist eben alles auch recht lässig.

@Obelix: Von der Wortbedeutung (aus verschiedenen Materialien zusammen gesetzt) würde Komposit schon stimmen. Tatsächlich werden "richtige" Kompositbögen allerdings meist aus verschiedenen Hölzern, Knochen, Horn, Tiersehnen, Knochenleim und was weiß ich noch für Naturmaterialien gebaut. Das ist schon hohe Kunst  und mir eine Nummer zu heftig.
Carbon im Bogenbau ist ein immer wieder heiß diskutiertes Thema. Die einen Bogenbauer schwören drauf und lassen sich das auch üppig bezahlen, andere wiederum halten es für unnötig. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte - ich habe für mich beschlossen, es erst mal ohne zu versuchen. Wie gesagt, versuche ich mich mit jedem gebauten Bogen weiter zu entwickeln - kann sein, dass ich da auch noch beim Carbon raus komme.

Die Glaslaminate sind nur ein Teil des gesamten Aufbaus - sie bilden auf dem Bauch und dem Rücken den Abschluss. Dazwischen liegen weiter Schichten meist Holz, Bambus und für die Optik auch Furniere. Am Ende muss der gesamte Stack (Stapel) eine bestimmte Dicke aufweisen, damit das gewünschte Zuggewicht erreicht werden kann. Teilweise werden die Hölzer getapert (keilförmig geschliffen) um eine harmonische Biegung des Bogens zu erreichen. Dafür habe ich den von mir vorgestellten Schleifer gebaut. Im zweiten Teil wird das alles etwas deutlicher.
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#7
Dann mach ich schnell mal weiter - solange das Interesse noch da ist. Smile 

Eine wichtige Komponente beim Bau eines Bogens, ist der Griff. Auch hier gehen die Meinungen auseinander - ich bevorzuge schwere Bögen mit schweren Griffen und wähle meine Materialien entsprechend aus. Momentan bin ich noch im Versuchsstadium für ein neues Design und deshalb ist alles rel. einfach gestaltet.
Das Handteil kann auch aus verschiedenen Hölzern gestaltet werden, wodurch sich natürlich optische Sahnestückchen erzielen lassen. Es gibt da mittlerweile die dollsten Dinger, aber so dicke muss es bei mir nun auch nicht sein. das 2. Bild im Anhang zeigt ein für das Verkleben vorbereitetes Handstück, wie es in einem typischen Langbogen verwendet wird. Bild 3 zeigt den Aufbau eines früheren Bogens. Von links nach rechts: Glas schwarz, Ahorn getapert, Bambus parallel, Handteil, Spezialgewebe, Ahorn getapert, Glas schwarz. Die in Folie eingewickelten Teile sind Aluschienen die den Druck verteilen sollen.  Bild 1 zeigt den Aufbau des aktuellen Bogens, bei ich demnächst direkt in die Berichterstattung einsteige (Irgendwie bekomme ich das mit der Reihenfolge nicht gebacken.  Sollte sich dieser Bogen am Schluss so präsentieren, wie ich mir das vorstelle, dann wird ein Zweiter in diesem Design entstehen, bei welchem GfK dann auch bei der Griffgestaltung eine Rolle spielen wird - daher auch meine kürzlich gestellte Frage zum Sägen von dicken GfK-Plattten. Aber das dauert noch.
Bild 4 zeigt die ganzen Einzelteile mal probehalber in die Form gelegt um zu sehen, ob alles passt bzw. ob noch irgendwelche Spalte zu sehen sind, welche nachher unschöne Klebefugen ergeben.


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#8
Hallo HaBe,

das ist eine supertolle Sache, das steht auch noch auf meiner Agenda, selber Bogen bauen.
Welches Zuggewicht strebst du denn an wenn ich fragen darf?
Bzw- steht das denn durch die Auswahl (und die Schichtdicke) der Komponenten schon fest, oder ist das nachher noch anpassbar?

Durch mein anderes Hobby (Reenactment) bin ich logischerweise zwar eher an traditionellen Langbögen interessiert, aber der Bogenbau an sich hat für mich etwas unglaublich faszinierendes, deshalb bin ich schon auf deine nächsten Posts gespannt.
Mfg Simmi (aus dem Werkstall)
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#9
Hi Simmi,

dein Hobby musste ich jetzt erst mal googeln - das geht dann wohl eher in Richtung Selfbow bzw. Warbow. Auch ich habe mich in dieser ursprünglichen Methode des Bogenbaus versucht. Ich musste aber nach einer Serie von Fehlschlägen feststellen, dass das einfach nicht mein Ding ist. So bin ich rel. schnell beim Laminieren gelandet.
Das Zuggewicht soll am Ende bei 38-40# bei 29 Zoll Auszug landen - sieht bisher auch sehr gut aus. Mehr möchte ich meinen Schultern nicht antun und ich finde auch, dass das mehr als genug ist, für 3D. Zum Erreichen des gewünschten Zuggewichtes, sind in der Tat gewisse Vorüberlegungen notwendig. Ist der Kleber erst mal hart, dann kann nur noch über die Breite der Wurfarme Einfluss genommen werden und da ist halt irgendwann mal Schluss. Bei einem Selfbow kann ja auch zusätzlich am Bauch Material abgenommen werden. Deshalb muss die Dicke und auch das Taper des Stacks rel. genau geplant werden. Aber dazu gibt es Hilfe im Netz.
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#10
Kurz vor Bettruhe mach ich noch schnell weiter mit dem Verkleben.
Die Laminate werden jeweils möglichst gleichmäßig mit einem speziellen Epoxy-Kleber eingestrichen und in die Form gegeben. Abschließend werden obenauf die Druckbleche aufgelegt und der ganze Packen an den wichtigen Stellen mit Zwingen fixiert. Dann wird ein Seil im Zickzack aufgefädelt ( ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken soll ) und um Druck zu erzeugen, Keile zwischen Blech und Seil getrieben. Weiter oben, beim Aufleimen der Kieferleiste habe ich ebenfalls mit dieser Technik gearbeitet - Bild 4 zeigt das nochmal im Detail. Ist alles gut verschnürt, kommt die Form in ein Heatbox ( mir fällt kein cooler deutscher Name dafür ein) und wird darin für ca. 3 Stunden bei 70-75° C "gebacken". Die Box habe ich aus alten Spanplatten zusammen gebaut, welch bei einer benachbarten Firma entsorgt werden sollten. Beheizt wird das Ganze mit sechs 100 Watt Glühbirnen und zusätzlich kurzzeitig mit einer Heißluftpistole. Geregelt wird die Box mit einem Teil aus der Bucht für ein paar Euro. Ich hatte dem Teil ja nicht viel zugetraut, wurde aber eines Besseren belehrt - das Ding funktioniert echt gut. Leider habe ich auf eine gute Isolierung verzichtet und so musste ich während des Betriebs mit ein paar Decken nachhelfen, damit dei notwendige Temperatur erreicht werden konnte. Nach Ablauf der drei Stunden verbleibt die Form bis zum nächsten Tag in der Box und kühlt langsam runter. Sinn der Aktion ist, dass das Epxoy fester, der Bogen somit stabiler wird - wobei das verwendetet Harz auch bei Zimmertemperatur ausreichend aushärtet. Aber man(n) sucht ja immer das Optimum. Einen Tag später kann der fertig gebackene Bogenrohling aus der Form genommen werden und sieht dann ungefähr so aus, wie auf Bild 6.
Feierabend für heute - wünsche angenehme Nachtruhe.


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