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[Projekt] Setzkästchen für Chips/Jetons und passendes Kästchen dazu
#1
Hi,

kennt Ihr das: man hat eine Projektidee, aber keine Vorstellung davon, was man sich damit an's Bein bindet. So ging es mir bei meinem aktuellen Projekt. Alljährlich richtet unsere Straße ein Straßenfest aus. Bei uns hat leider eine Kneipe zugemacht von der wir jetzt einen Sack Wert-Chips geschenkt bekamen, die wir ergänzend zu den Getränkebons ausgeben wollen. Und ich hatte die glorreiche Idee, Setzkästchen dafür zu basteln. Eigentlich kein Hexenwerk, dachte ich mir, aber die Schwierigkeiten liegen im Detail. Aber eins nach dem anderen.

Als Grundform hatte ich zuerst an einen großen Kasten angedacht, der große Unterteilungen (quasi Spalten) hat, die nochmals im rechten Winkel in kleinere Abteile unterteilt werden, um 5-10 Chips aufzunehmen. Das habe ich aber verworfen, weil mir das vom Design nicht gefiel. Außerdem dachte ich mir, dass es besser wäre bei einem Kundenansturm 1 Person zu haben, die Chips ausgibt und 1 Person, die Chips nachfüllt. Damit war ein einzelner, großer Kasten sowieso raus. Also sollten es mehere kleinere Kästen werden. Daher habe ich mich vom Design an den Münzkästen orientiert, die man von früher aus der Bank kennt (aus einer Zeit, in der die Banken Geld noch selbst gezählt haben, und nicht zum Zählen eingeschickt haben).

Die Münzkästen stellen die Münzen verzahnt auf. Das habe ich dadurch nachgebildet, dass ich mir kleine Klötzchen gesägt habe, die ich abwechselnd rechts und links in den Kästen eingeklebt habe:
   
Wie zu sehen ist, benutze ich Multiplex, dass ich noch rumliegen habe. Jeweils 5 Chips sind in einem Päckchen zusammengefasst. Die Kästchen sind so dimienstioniert, dass 75 Chips Platz haben. Insgesamt habe ich am Ende 5 Stück davon gemacht und somit für 375 Chips Platz. Das sollte genügen.

Weiter zum Aufbau:
   
Ist vermutlich selbsterklärend. Das linke Stirnteil ist größer als das rechte, damit das Kästchen nacher eine leichte Neigung hat. Danach ging es an's Verleimen:
   

Und dann fingenen die Probleme an. Mit Grundschulmathe kann man eigentlich ausrechnen, welche Größe und welche Abstände die Holzklötzchen haben müssen, damit die Chips gut passen. Dann kommen aber leichte Abweichungen beim Zuschneiden der Holzteile, der Klötzchen, beim Aufkleben und vermtulich auch in der Dicke der Chips zum Tragen und spucken Dir so richtig in die Suppe. Das führt dann dazu, dass manche 5er-Päckchen nicht gut in ihr Abteil reipassen und steckenbleiben. Ich habe letztlich zwei oder drei Versuche mit leicht unterschiedlichen Größen und Aufklebestrategieren gemacht, bis die Holzklötchen einigermaßen passten. Und selbst dann musste ich nacharbeiten und nach dem Aufkleben mit dem Stechbeitel die Lücken verbessern:

   
Multiplex quer zur Verleimung abzustechen, ist echt kein Spaß. Vermtulich denkt der eine oder andere, dass kann doch nicht so schwer sein, wenn man sauber arbeitet. Ich würde genau das gleich denken, aber das war eine echte Herausforderung.

Etliche Stunden später hatte ich dann 5 Kästchen zusammen und die Chips passen auch ganz gut. Jetzt hatte ich schon so viele Stunden gebastelt (und es waren echt viele), da kam es auf 2 Stunden mehr oder weniger auch nicht an. Es störten mich noch ein paar Dinge.

Die Nuten in der Rückwand fand ich hässlich. Also habe eine Holzleiste auf die passende Dicke runtergehobelt, in den Nuten verleimt und danach auf mit dem Stechbeitel bündig gemacht:
   

Das gleiche galt für die Enden der Nuten an der Front. Auch die wollte ich loswerden. Als habe ich kleine Stifte gefertigt und ebenfalls eingeklebt und bündig gehobelt:
   

An einem der Kästchen habe ich mich ordentlich versägt, so dass ein Spalt entstand. Auch dafür habe ich ein Holzplätchen gehobelt, dass den Spalt perfekt ausfüllt:
       

Vom Endergebnis wollte ich noch ein Detailbild machen, aber durch das Multiplex sieht man das Plättchen nach dem Bündigmachen nicht mehr. Laught

Weil ich jetzt schon so pedantisch war, störte mich auch, dass die Rückwand durch die Neigung nicht bündig aufstand. Da ich auf einer Glasplatte noch Schmirgelpapier vom Abrichten eines Hobel aufgeklebt hatte, habe ich das genutzt, um den Schrägstand zu korrigieren:
   
Das war nach dem ersten Durchgang. Nach etwas Feinschliff setzt die Rückwand jetzt vollflächig auf.

Ok, ehrlich gesagt: Das ist Multiplex. Ob der Aufwand jetzt wirklich nötig war...keine Ahnung, aber ich bin irgendwann in so einen Spielkindmodus verfallen.

Und so sehen die Sätzkästen im Überblick aus:
   

Das ist aber immer noch nicht das Ende. Jetzt steht noch Ölen und Lacken auf der Liste, wobei ich nur außen lacke, da ich fürchte, dass mir der Lack die Passform der Chips verhagelt. Das Risiko will ich nicht eingehen. Danach will ich noch einen Kasten baue, wo ich die Setzkästen zwischen den Verwendungen lagere. Ich habe da an ein einfaches Kästchen mit Dekckel gedacht, dass in der Mitte eine Glasscheibe eingelassen hat, damit man eines der vollbesetzten Setzkästen sehen kann... mal sehen.

So viel erstmal bis hierhin.

Sascha
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#2
Da hast Du Dir richtig viel Mühe gemacht Sascha und das Ergebnis finde ich klasse. Das mit dem "Spielkindmodus" geht doch voll in Ordnung, gerade das macht doch den meisten Spaß. Der Dank der Nachbarn wird Dir ewig nachschleichen und wer was an den Kästchen auszusetzen hat soll es erst mal besser machen. Ich jedenfalls finde Deine Arbeit TOP.
Gruß
Horst
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#3
Moin,

diese Kästchen sind wirklich schön geworden. Die Nuten zum verleimen der Seiten und dem Boden hättest Du Dir aber sparen können. Ich hätte das einfach nur verleimt, hält sicherlich genauso gut. Und Du hättest Dir das Verschließen der sichbaren Nuten gespart. Ansonsten schöne Arbeit.

Gruß Don
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#4
Hallo Sascha,

ich habe letztens Ähnliches gebaut. Nach der ersten Reihe Klötzchen aufkleben habe ich meinen Arbeitsablauf überdacht (also kein Dach drüber gemacht, sondern mir eine andere Lösung gesucht), weil die kleinen Klötzchen beim verleimen hin und her rutschten und sich nicht auf die Position klemmen ließen, wo sie eigentlich hin sollten.

Ich habe dann in eine Platte nebeneinander entsprechende Nuten gefräst und dann anschließend aus dieser genuteten Platte die Seitenteile ausgesägt. So war die nervenaufreibende Klötzchenkleberei umgangen und das Ergebnis sah auch viel besser aus.

LG Regina
Die kürzeste Gerade zwischen zwei Verbindungen ist der Punkt!
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#5
Wie heißt es so schön, Ende gut, alles gut. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wird sicherlich seinen Zweck erfüllen. Das Lob derer, die damit umgehen sollen, dürfte dir sicher sein.

Was den Spieltrieb angeht, der ist ja gerade der Antrieb beim Basteln. Es kommt doch nicht nur auf das Produkt an, sondern auch auf die schöne Zeit, die man mit seiner Herstellung verbringt. Wir sind schließlich keine gewerblichen Produzenten, die auf die Zeit achten müssen.

Und so ganz nebenbei... Basteleien, die völlig reibungslos von der Hand gehen, finde ich eher langweilig. Spaß macht es doch erst, wenn man ein wenig tüfteln muss.
Liebe Grüße
Andreas


Man kann es gar nicht vermeiden täglich hinzuzulernen!

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#6
Hi,

danke für die netten Worte. Ein paar Bemerkungen:

@DonRedhorse: ich gebe Dir Recht. Die Nuten sind sicher überflüssig. Das ist so ziemlich mein Standardansatz, wenn mir gar nix anderes einfällt. Der Vorteil ist aber, das man solche Kästen auch unverleimt zusammenstecken kann und sie halten erst mal. Dann kann man testen und weiterbasteln und am Ende alles zerlegen und verleimen. Das hat sich für mich bewährt. Anders als bisher würde ich (wenn ich denn schon Nuten nutze) die ungenutzen Nuten schon vor dem ersten Verleimen füllen. Das ist für das Planieren dann einfacher.

@Regina: da ich in den diversen Versuchen auch Zeit hatte mir alternative Ansätze zu überlegen, hatte ich Deinen Vorschlag auch irgendwann im Kopf. Ich kam aber mit dem Aufkleben und nachbearbeiten zu einem passablen Ergebnis, bevor der Vorschlag seine Umsetzung fand. So wie ich den Leim aufgetragen hatte, rutschten die Klötzchen eigentlich auch kaum. Das Problem war eher, dass optimalerweise die Abschlusskante eines der linken Klötzchen eine Flucht mit der Startkanten des nächsten Klötzchens auf der rechten Seite ergeben musste. Da hakte das ganze. Eigentlich hätte ich die Klötzchen also links und rechtes im Wechsel kleben müssen. Wenn ich den nächsten Satz (oder etwas vergleichbares) mache, versuche ich es mal mit Fräsen.

Jetzt bin ich jedenfalls dabei, die Kiste zu basteln. Weil ich auch mal wieder was anderes ausprobieren wollte, habe ich eine 18mm, ca. 20cm breite Leimholzleiste (Buche)  auf kurze Stücke und dann jedes Stück per Kreissäge auf dünnere Bretchen geschnitten. Zwei der Bretchen habe ich zu einem größeren Brett als Kistenboden verleimt. Mal sehen, ob das was wird. Wenn nicht, mach ich was anderes. Ich werde berichten.

Sascha
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#7
Hi sashman,
Die Lösung ist doch ganz passabel. Wenn die Funktion stimmt, dann hat man doch schon mal das Grobziel erreicht. Für Design ist dann immer noch platz genug. (Gutes Design ohne Funktion wäre dann nur die Haltungsnote.)

Wenn Sie noch weitere Kästchen bauen wollen/müssen:
Ein Brett suchen, das so dick wie 5 Chips + 0,5 mm ist. Einen Streifen sägen, der 2 Chips breit ist. Eine Lochreihe anzeichnen, wo rechts vom Chip 1/3 Chipbreite frei Rand bleibt. Die Löcher mit einem Abstand von Chipdurchmesser +15 mm anzeichnen und bohren. Den Streifen in Stücke sägen, und zwar immer mittig durch den Abstand und mittig durch die Löcher sägen. So entstehen Streifen mit einer Mulde für 5 Chips. Auf einer Seite ist der Rand 1/3, auf der anderen Sete 2/3. Die Dinger wechselseitig in einen Rahmen leimen, ein wenig Design hinzu fügen und das Kästlein hat die gewünschte Funktion.

Grüße
... lieber machen, was ich nicht kann, als lassen, was ich kann.
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#8
Hi,

endlich hatte ich genügend Nachmittage in der Werkstatt, dass ich mein Projekt bis zu Ende bringen konnte. Ich dachte eigentlich, dass ein Kästchen zu bauen, keine große Herausforderung ist, aber bei dem Rest des Projektes habe eine Menge gelernt. Und ein schönes Kästchen ist am Ende auch noch dabei rausgekommen.

Mein erstes Problem war, dass ich kein passendes Holz mehr hatte, aber auch keine richtige Lust welches zu kaufen. Ich hatte aber noch einen 18mm dicken, ca 15cm breiten und ziemlich langen Abschnitt einer Leimholzplatte aus Buche da. Für mein Kästchen natürlich viel zu dick...ich wollte eher sowas um die 6mm. Da dachte ich mir, mal sehen, ob ich die Latte nicht mit der Kreissäge auftrennen kann.

Und es ging (wieder was gelernt) leichter als ich dachte:
   
Das lange Holz war die ursprüngliche Latte und das Stück obendrauf ist eines der bereits aufgetrennten Stücke.

Natürlich ging die Aktion nicht spurlos am Holz vorbei. Meine Kreissäge hat mehr oder weniger starke Brandmarken hinterlassen:
   

Da ich aber seit einigen Wochen einen Hobel besitze, dachte ich, versuchen wir mal, die Brandmarken wegzuhobeln....und das ging wieder einfacher als gedacht (wieder was gelernt):
   
Im Vordergrund seht ihr zwei aneinandergelegte und schon gesäuberte Brettchen. Ein deutlicher Unterschied zu dem dahinterliegenden ungesäuberten Brettchen. Das habe ich so als "Stopper" genutzt, um Hobeln zu können. Ich brauche dringend eine richtige Hobelbank. *seufz* *wehklag auf hohem Niveau*

Für Deckel und Boden der Kiste habe ich dann jeweils zwei Brettchen verleimt:
   
Auch das hatte ich bisher noch nicht gemacht. Ist ja eigenlitch nur verleimen...blöd ist nur, wenn die beiden Stoßkannte nicht 100% parallel und winklig sind. Dann gibt es hässliche Spalten. Aber ich hab ja einen Hobel Smile Also habe ich vor dem Verleimen die beiden Brettchen Rücken an Rücken eingespannt, beide Kannten möglichst bündig ausgerichtet und dann plan gehobelt. Siehe da: Verleimte Brettchen ohne Spalten. Und schon wieder was neues gemacht und gelernt.

Tja, und dann dachte ich, ich hätte alle Probleme gelöst. Jetzt musste ich ja nur noch 45 Grad Gehrungen sägen und alles verleimen. Für die großen Teile ginge das maschinell und ganz unproblematisch. Da ich den Deckel aber relativ schmal halten wollte, hätte ich so eine Gehrung schneiden müssen:
   
Ich hätte das Holz als von links festhalten und sägen müssen...ganz ehrlich...meine Finger sind mir nach all den Jahren an's Herz gewachsen...ich brauch die noch...das war mir eindeutig zu gefährlich...

Was tun....ich stand minutenlang in der Werkstatt und dachte, wie hat man denn früher Gehrungen hinbekommen, als es noch keine Kappsägen gab??? Wer weiß es? Richtig!!!! Ich hab ja einen HOBEL! Und im gleiche Moment dachte ich, freihand eine 45 Grad Gehrung hobeln, die so gut ist, dass es passt, kann ein Hobelneuling wie ich vergessen. Weitere Minuten verstrichen auf der Suche nach Alternativen und irgendwann dachte ich, probier's halt mal....

Kennt Ihr diese Momente, wo Ihr das Gefühl habt, irgendwo im Universum hat es *Klick* gemacht und zwar so laut, dass ihr es hören konntet? Mein erster Versuch eine Gehrung zu hobeln, brachte das hervor:
   
Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich es nicht glauben konnte, wie gut das geworden ist. Ok, ein minimaler Abstand ist zur oberen Kannte hin zu sehen, aber für's erste mal....unglaublich....Ok, wir wissen alle, dass man mehr hinbekommt, als man annimmt, aber das hätte ich echt nicht gedacht.

Ab da habe ich jede Gehrung nur noch gehobelt. Von den insgemsamt 30 Gehrungen habe ich nur 8 mit der Maschine gemacht...das hat echt einen heiden Spaß gemacht. Besonders wenn man sich dann bei einem Feierabend-Bier ansehen kann, wie alles zusammen passt:
       

Danach ging das Projekt dann seinen eher üblichen Lauf: alle Teile zurecht basteln. Verleimen, Hobeln, und was man sonst so macht. Online habe ich dann noch Beschläge gekauft und eben konnte ich dann endlich alles zusammenbauen.

So sieht es dann nach dem Wachsen in fertiger Version aus:
               

Glückseligkeit!!!

Hier habe ich auch zum ersten mal meine selbstgemachte Wachspolitur (1 Teil Bienwachs zu 3 Teilen Leinöl) verwendet. Das schlägt das Antikwachs aus dem Baumarkt um Längen: Es riecht besser (nicht nach Schucreme), es ist streichfähiger (weil ich den Ölanteil dafür genauso eingestellt habe) und es glänzt so schön. Auch das ist etwas, dass gelernt habe...

Zusammenfassend kann man sagen, dass ich vieles zum ersten mal gemacht habe und dabei eine Menge gelernt habe. Dafür ist die Kiste besser geworden, als ich zwischendurch gedacht habe. Und Spaß hatte ich ohne Ende....

Danke für's Lesen und bis bald.

Sascha
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#9
Richtig toll geworden......Hut ab. Könnte glatt in einem Casino stehen Thumbs Up
Gruß,
Michael

......denn das Kind im Manne stirbt nie.......


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#10
Moin,

sehr schöne Arbeit. Gefällt mir ausgesprochen gut. Thumbs Up
Das mit dem Bienenwachs habe ich auch so gemacht allerdings habe ich Walnußöl verwendet. Ist jetzt fest aber man kann es mit einen Tuch schön aufnehmen, ähnlich Schuhcreme. 

Gruß Don
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