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[Projekt] Ziehklinge auf Weichholz:
#1
Hi,
Ich habe am Wochenende ziemlich verzweifelt versucht, ein Brettchen (Fichte/Tanne) glatt zu bekommen. Flachwinkelhobel 25°,50°; normaler Putzhobel 45°. Frisch geschärft und gut poliert. Dennoch jede Menge Ausrisse.
Meine Versuche mit Ziehklinge und Ziehklingenhobel waren bisher unbefriedigend. Ich habe im Netz mehrfach gelesen, Ziehklingen wäre was für Hartholz. (...schien mir bis zum Wochenende wahr zu sein...)
Ich wollte schon den Exzenterschleifer nutzen, da fiel mir ein, dass Paul Sellers meint, man könne mit dem Stanley #4 (Putzhobel) und einem Stanley #80 (Funierschabhobel) alle Probleme in Holz lösen.
Dann habe ich ein paar Videos zum Ziehklingenhobel geschaut und die Klinge nach Anleitung von Paul Sellers geschliffen und einfach mal nach Anleitung eingerichtet. Nach ca. 10 Versuchen bekam ich endlich richtige Späne von dem Gerät. Das habe ich dann weiter optimiert, bis ich selbst bei gegenläufiger Maserung und bei Astlöchern eine ordentliche Oberfläche erhielt.

Die schönste Stelle von meinem Brettchen
01     mein bestes Hobelergebnis

Den Ziehklingenhobel geschärft. Zunächst mit der Feile den alten sie Fase 45° wieder hergestellt.
Dann die Fase auf dem Schleifstein poliert und die Schneidkante entgratet.
Mit dem Ziehklingenstahl einen frischen Grad anziehen.
02     Ziehklinge schärfen


Den Hobel auf eine glatte Fläche stellen und die Klingenhalterung auf ca 80° senken. Die Klinge einsetzen und fest schrauben.
Mit der unteren Rändelschraube die Klinge durchbiegen. Dadurch greift sie nicht auf ganzer Breite ins Holz, sondern bevorzugt in der Mitte.
Dann den Hobel aufs Holz setzen und so lange mit der Neigung der Klinge experimentieren, bis ein feiner Span abgenommen wird. Wenn man die Klinge weiter nach vorn neigt, greift sie tiefer ins Holz.
Der Span sollte so dünn sein, dass man den Hobel noch gut schieben kann.
03     mein erstes Ziehklingenergebnis


Der Ziehklingenhobel kann ähnlich benutzt werden, wie ein normaler Hobel. Leicht schräg und in Richtung der Fasern schneidet er sehr sauber. Quer zu Faser wird die Oberfläche etwas rauher.
04     Der Ziehklingenhobel und seine Späne

Das Schleifen der Werkzeuge scheint mir ziemlich sehr wichtig zu sein. Wenn die Klinge nicht hinreichend scharf ist, bringts Alles nix.
Das Hobeln überlasse ich dem Hobel und ich kümmer mich um die Einstellung und schiebe den Hobel nur über das Holz.
Klappt ganz gut.

Grüße
... lieber machen, was ich nicht kann, als lassen, was ich kann.
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#2
Oha, ein Ziehklingenhobel. Das habe ich so auch noch nicht gesehen. Das muss ich mir mal (am besten bei P.S. genauer beäugeln. Das scheint allerdings auch bei weichen Hölzern ganz gut zu funktionieren. Zwischen Bild 1 und 3 liegen echt Welten. Schöne Handarbeit, Herr Abeler.
Liebe Grüße
Andreas


Man kann es gar nicht vermeiden täglich hinzuzulernen!

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#3
Hallo Jens, ich bewundere Deine Hartnäckigkeit. da wird nicht einfach nach der (scheinbar) besten Lösung (Schleifer) gegriffen sondern der Sache auf den Grund gegangen. Top, das Lob ich mir.
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#4
(29.03.2019, 10:08)Bastelhorst schrieb: Hallo Jens, ich bewundere Deine Hartnäckigkeit. da wird nicht einfach nach der (scheinbar) besten Lösung (Schleifer) gegriffen sondern der Sache auf den Grund gegangen. Top, das Lob ich mir.

Moin,

so sehe ich das auch. Thumbs Up Thumbs Up Thumbs Up

Gruß Don
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#5
Hi,
danke für die Rückmeldungen.

Hi Holzwollschnitzelwerk,
Paul Sellers spricht oft von 'cabinet scraper'. Das ist hier der 'Funierschabhobel'. Der Unterschied zum Ziehklingenhobel besteht darin, dass er einen fest eingestellten Winkel von 80° hat. Das begrenzt die Einstellmöglichkeiten. Man kann beim Anziehen des Grades den Winkel und die Größe des Grades variieren, und die Tiefe und der Durchbiegung der Klinge einstellen.
Den Vorteil sehe ich darin, dass er kleiner ist und dadurch auch mal einen Auschnitt eines Brettes bearbeiten kann.

Hi Bastelhorst,
ja, - es nervt mich, wenn so ein youtube-Guru da was vormacht, was ich nicht mal ansatzweise hinbekomme!!! Da denke ich mir doch: 'wenn ein Mensch übers Wasser laufen kann, dann kann das doch prinzipiell jeder!!! - ... und warum dann ausgerechnet ich nicht???' Und dann geht's los.

Grüße
... lieber machen, was ich nicht kann, als lassen, was ich kann.
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#6
Kann ich gut verstehen Jens. Zu den YouTube-Gurus habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Ich bewundere Handwerkliches Können und schaue mir gerne mal ein Filmchen an. Die Plaudertaschen mit 20 Minuten Gelaber und 2 Minuten Vorführung Ihres Könnens finde ich sterbenslangweilig. Leider fühlen sich immer mehr Pseudo-Heimwerker dazu berufen einen Kanal zu eröffnen und zu oft werden Maschinen getestet. Handwerklich kommt aber wenig rüber.
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#7
Hi Bastelhorst,
ich will da nicht missverstanden werden: Paul Sellers ist so ziemlich der Einzige, dem ich so ziemlich alles glaube, was der mir zu Handwerkszeugen und Vorgehensweisen sagt. (Seine sozialphilosophischen Ansichten will ich da mal außen vor lassen). Seine Videos sind das beste Lehrmaterial, was ich bisher gesehen habe. Die Videos sind auf englisch, jedoch kann man den Ton auschalten und zu 75% kann der handwerklich Interessierte das nachmachen, was er da zeigt. Er erzählt nicht nur wie es geht, er zeigt es auch, und das in der Regel verstehbar. Natürlich sollte man nicht mit dem Schaukelstuhl anfangen, seine Projekte zu kopieren.
Wenn also Paul Sellers mir erzählt: 'Das mache ich mit den Leuten im Basiskurs, die noch nie einen Hobel in der Hand hatten.', dann kriege ich 'nen Rappel, wenn das bei mir nicht klappt!!!!.

Ein andere Handwerker, der mich mit seinen Basteleien beeindruckt hat, ist Andy Rawls (auch auf DuRohr).

Grüße
... lieber machen, was ich nicht kann, als lassen, was ich kann.
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#8
(29.03.2019, 19:49)Bastelhorst schrieb: Die Plaudertaschen mit 20 Minuten Gelaber und 2 Minuten Vorführung Ihres Könnens finde ich sterbenslangweilig.

Geht mir oft genau so. Oder auch Produktvorstellungen. Das Teil wird ausgepackt, sämtliche technische Details heruntergebetet, alle Feinheiten gezeigt und dann... ist das Video zu Ende. Was fehlt, ist ein praktischer Test. Aber genau deswegen habe ich das Video angeklickt. Weil ich überlege, ob mir jene Gerätschaft was bringt und wie sich damit arbeiten lässt. Dazu haben solche Videos dann absolut 0 Aussagekraft. Wäre wie wenn M. Trup. seine Bandsäge Wochenlang baut und zum Schluss hätte er nicht einmal einen Probeschnitt gemacht.

(28.03.2019, 22:01)Jens Abeler schrieb: Hi,
Ich habe am Wochenende ziemlich verzweifelt versucht, ein Brettchen (Fichte/Tanne) glatt zu bekommen. Flachwinkelhobel 25°,50°; normaler Putzhobel 45°. Frisch geschärft und gut poliert. Dennoch jede Menge Ausrisse.
Meine Versuche mit Ziehklinge und Ziehklingenhobel waren bisher unbefriedigend. Ich habe im Netz mehrfach gelesen, Ziehklingen wäre was für Hartholz. (...schien mir bis zum Wochenende wahr zu sein...)
Ich wollte schon den Exzenterschleifer nutzen, da fiel mir ein, dass Paul Sellers meint, man könne mit dem Stanley #4 (Putzhobel) und einem Stanley #80 (Funierschabhobel) alle Probleme in Holz lösen.
Dann habe ich ein paar Videos zum Ziehklingenhobel geschaut und die Klinge nach Anleitung von Paul Sellers geschliffen und einfach mal nach Anleitung eingerichtet. Nach ca. 10 Versuchen bekam ich endlich richtige Späne von dem Gerät. Das habe ich dann weiter optimiert, bis ich selbst bei gegenläufiger Maserung und bei Astlöchern eine ordentliche Oberfläche erhielt.

So ähnlich kenne ich das auch von mir. Ich bin auch immer sehr hartnäckig. Es wird so lange probiert, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Egal wie lange es dauert und wie groß der Aufwand ist. Aber ich denke, das ist eine gute Eigenschaft. Dadurch lernt man sehr viel und weis, wie man zum besten Ergebnis kommt. Steile Lernkurve garantiert. Sollte man nur auf Arbeit nicht zu oft Gebrauch von machen Laught .

Und nun gehts ab in Keller, mein Neubau unserer Hausapotheke wartet.

Gruß Stefan.
Liebe Grüße vom Stefan. 
mein Blog: Der Technik-Blog
mein YouTube-Kanal: Stefans VideoKanal
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#9
Hallo Her Abeler und danke für die Info. Wie schon gesagt werde ich mir das noch genauer anschauen.


Zitat:Da denke ich mir doch: 'wenn ein Mensch übers Wasser laufen kann, dann kann das doch prinzipiell jeder!!! - ... und warum dann ausgerechnet ich nicht???'


Nun ja, Paul Sellers kann über's Wasser gehen, weil er das seit 50 Jahren immer wieder versucht hat. Und dann kommt ein ambitionierter "Laie" und meint da locker mithalten zu können. Eigentlich kein Wunder, dass der erstmal gnadenlos absäuft. Bitte nicht missverstehen. Ich habe durchaus einigen Respekt vor ihren sehr zeigbaren Ergebnissen. Aber als Laien, die wir ja nun mal weitgehend alle sind, und seien wir noch so talentiert und ambitioniert, 50 Jahre Berufserfahrung aufwiegen zu wollen, das hätte ein bisschen was von Größenwahn. Vor allem dann, wenn diese Berufserfahrungen nicht lediglich irgendeinem Job entspringen, sondern gelebte Passion sind, wie das bei Paul Sellers ganz offensichtlich der Fall ist.

Und ganz nebenbei, dieses "warum dann ausgerechnet ich nicht" stimmt ja so nicht ganz. Ich sehe da durchaus ein paar ganz passable Schritte auf dem Wasser. Nur ganz über den See, dafür wird es noch nicht reichen.

Ich muss an dieser Stelle mal sagen, es ist überaus ermutigend, wie sie an die Dinge heran und auf deren Grund gehen. Zu sehen, wie ihre Bemühungen beginnen sich zu lohnen, gibt mir genügend Motivation, mich weiter mit Handwerkzeug zu beschäftigen. Dafür mal ein ganz herzliches Dankeschön.
Liebe Grüße
Andreas


Man kann es gar nicht vermeiden täglich hinzuzulernen!

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#10
Hi Jens, ich habe Dich nicht missverstanden. Das wollte ich ja aussagen, Leuten wie Paul nehme ich Ihr Können ab. Bei anderen ist es oft mehr Schein wie Sein.
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