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[Projekt] Zimmererböcke
#1
Hallo zusammen,

Es waren mal wieder zwei Zimmererböcke fällig. Gebaut habe ich sie, wie es mir mein Lehrmeister vor über 40 Jahren beigebracht hat. Mit einfachen Mitteln. Man braucht dazu keine Formatkreissäge, 1000-Euro-Oberfäse und Abbundkettensäge. So gesehen auf Youtube. Voraussetzung sind halbwegs trockene und gerade Hölzer. Abrichten und dickenhobeln ist von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Wichtig ist scharfes Handwerkszeug. Eine Handkreissäge ist sehr hilfreich, aber es geht auch ohne. Wenn man Maschinen hat, kann man diese auch verwenden.

   

Das Ergebnis kann dann so aussehen.

       

Los ging es mit diesen schon mal verwendeten Hölzern. Links vor dem Hobeln. Rechts nach dem Abrichten und Aushobeln. Das war nötig, denn die Hölzer waren unterschiedlich stark und nicht hunderprozentig gerade und im Winkel. Die Holme sind 7,5 x 10 cm, die Beine 5,5 x 7,5 cm. Das ist aber nur ein Anhaltspunkt. Wichtig ist, daß die Holme nicht drehwüchsig sind, sonst schaukelt der Bock hinterher, wenn das Holz nicht ruht.

   

Eine einfache Zeichnung in Orginalgröße erleichert das Ganze ungemein. Links ein halber Schnitt von der Stirnseite, rechts von der Längsseite. Braucht hauptsächlich zur Ermittlung der Winkel. Gradzahlen tauchen in diesem Beitrag nicht auf. Die Böcke sind 90 cm lang und 70 cm hoch. Unten sind sie 40 cm breit und die Beine  beginnen oben am Holm 20 cm von außen. Der große Vorteil dieser Bauart ist, daß die Böcke nicht umkippen, wenn ein schweres Teil ganz außen auf der Kante liegt.

   

Nun wird der Holm auf die Zeichnung gelegt und die Maße für die Gradnut übetragen.

   

Dann werden die beiden Holme zusammengespannt und die Maße auf den anderen übertragen.

   

Die Tiefe der Gradnut wird mit dem Streichmaß des Zimmerers angezeichnet.

   

Hier sieht man die fertigangerissenen Holme. Das Maß für die Schräge der Gratnut entspricht der schmalen Seite eines Zollstockstockgliedes (gut 3mm). Auf der inneren Seite wird die Nut 2mm enger, damit die Beine stramm reinpassen.

       

Nun kommen die Beine dran. Zuerst wird die schmale Seite gerissen. Beim rechten Bild sieht, daß es rechte und linke Beine gibt.

               

Dann wird die breite Seite gerissen. Da geht es um den langen Schnitt, mit dem sich das Bein an den Holm anschmiegt. Die schraffierte Linie beim dritten Bild
stellt die Nuttiefe dar. Das komische Kreuz ist das Zeichen der Zimmerer für die Mitte. Der schraffierte Bereich auf dem Bein beim vierten Bild wird ausgeschnitten.

   

Hier liegen die Beine nebeneinander zum Übertragen der Maße. Jeweils 4 rechte und 4 linke Beine.

           

Jetzt werden die Schrägen mit Hilfe von Stellschmiege und Winkeleisen angetragen.

       

Hier sind die langen Schnitte mit der Bandsäge gemacht. Es geht aber auch mit Handkreissäge oder Tischkreissäge. Man darf nur nicht zu weit schneiden. Der Rest der Schnitte ist dann Handarbeit.

Das kommt dann im zweiten Teil

MfG

Walter
Der Weg ist das Ziel
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#2
So, nun geht es weiter.

   

Dieser Schnitt geht am besten mieiner Handsäge, da er auch unterschiedlich tief ist.

   

Dieser Schnitt geht nicht mit oben gezeigten Gestellsäge, da diese nur für Schnitte quer zur Faser geeignet ist. Das geht besser mit einer Japansäge oder einer Stoßsäge (z.

B.: Fuchsschwanz)            

Die Gratnuten werden Handkreissäge und Stemmeisen ausgearbeitet. Die Schnitte wären natürlich auch mit einer Handsäge möglich.

       

Die Gratung an den Beinen wird mit Stemmeisen und Klopfholz frei Schnauze angebracht. Lieber beim ersten Mal nicht zu viel abnehmen, stattdessen Probieren und nachstechen, damit Beine stramm reingehen. Hier kam ein richtiges Streichmaß zu Einsatz. Mit dem "Zimmererstreichmaß" ging es nicht. man kann den Strich auch mit einem Lineal anbringen.

   

Hier ist das erste Bein im Holm. Es darf nicht über die Mitte des Holmes gehen, sonst klemmt das Zweite. Die Ecke wird mit dem Stemmeisen wegestochen. Wenn man einen breiteren Holm, entfäfft dieser Arbeitsschritt. Leider ist das Bild verwackelt und ich schäme mich auch dafür.

   

Hier sind nun die Böcke mit eingschlagenen Beinen. Bisher wurden die Beine noch nicht abgeschnitten, sondern oben und unten länger gelassen. Denn das mit dem "Vorher-Abschneiden" ist aufwändiger und passt höchstwahrscheinlich nicht richtig. Das heißt, das die Böcke wackeln und die Beine nachgeschitten werden müssen.

   

Oben einfach mit einer Handsäge bündig mit dem Holm abschneiden.

       

Nun geht es darum, die Beine auf die richtige Länge abzuschneiden. Das ist etwas tricky. Wenn man die Länge aus den Schnittzeichnungen so nehmen will, wie auf den Bildern zu sehen, nehmen will, wird der Bock um ein paar cm zu niedrig. Das ist mir schon mal passiert. Die Maße auf der Zeichnung entsprechen nicht der wahren Länge der Beine.

   

Man könnte das Problem auch zeichnisch lösen, aber so geht es schneller. Den Bock auf den Kopf gestellt, Zollstock dranhalten, 70 cm in diesem Fall anzeichnen, paßt.

   

Das so ermittelte Maß auf jedem Bein anzeichnen und mit einem Richtscheit oder dergleichen, die Punkte ringsrum verbinden.

   

Dann abschneiden. Das musste ich als Stift allerdings mit der Handsäge machen.

   

So könnte man die Böcke theoretisch schon einsetzen, aber auf Dauer ginge das das nicht gut.

   

Aber ein paar "Angstschrauben" und "Angstlaschen" müssen schon sein. Die Laschen müssen nicht unbedingt aus Sperrholz sein. Ein Brett täte es auch.
Vor 40 jahren kamen da ein paar Nägel rein und keine Spax, denn die war da noch nicht so bekannt.

   

Hier nochmal eine Verbindung von oben. Das eine Bein ging wohl etwas zu stramm rein. "Nobody is perfect".

   

Jetzt noch etwas "Kosmetik" mit der Flex, damit die Beine nicht gleich absplittern, wenn man nicht aufpasst.
Der Weg ist das Ziel
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#3
Top Sache – danke. Auf so eine detaillierte Anleitung habe ich schon lange gewartet. Meine Böcke sind mir so schlecht gelungen, dass ich sie schon wieder entsorgt habe.

Da werde ich mir vor dem Frühjahr gleich mal welche bauen. Was schätzt Du, wie hoch die Tragfähigkeit ist?

Wolfgang
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#4
Da könntes ohne weiteres einen Hub Bretter draufstellen. Also so 2 Tonnen. Bei normalem gehen diese Böcke nicht kaputt.

MfG

Walter
Der Weg ist das Ziel
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#5
Schöne Anleitung, danke dafür!

Wir haben solche Böcke noch vom Vorbesitzer unseres Hauses auf dem Dachboden stehen, die müssten um die 40 Jahre alt sein. Kaputt zu kriegen sind die eigentlich nicht und sollten noch einmal so lange halten.
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#6
(02.01.2021, 09:10)Fuzzy schrieb: Da könntes ohne weiteres einen Hub Bretter draufstellen. Also so 2 Tonnen. Bei normalem gehen diese Böcke nicht kaputt.

MfG

Walter

Walter, danke. Da will ich für die Umbauphase mein Boot drauf stellen. Die halten es dann locker aus, hat nur 'ne knappe Tonne, wenn überhaupt ...

Wolfgang
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#7
Wahnsinn, eine tolle Anleitung! Danke dafür. Muß ich gleich mal die neue Markieren-Funktion dran ausprobieren.

LG Regina
Die kürzeste Gerade zwischen zwei Verbindungen ist der Punkt!
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#8
Moin,

tolle detaillierte Anleitung. Danke dafür.  Thumbs Up Thumbs Up Thumbs Up Thumbs Up Thumbs Up

Gruß Don
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#9
Hallo Walter,

danke für´s Zeigen und die detaillierte Beschreibung. Das wird sich so mancher abkucken Wink
Gruß,
Michael

....Meine Spardose....

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#10
(01.01.2021, 20:44)Fuzzy schrieb: Jetzt noch etwas "Kosmetik" mit der Flex, damit die Beine nicht gleich absplittern, wenn man nicht aufpasst.

wird zeit für eine neue zugentlastung  Tongue
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