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Wie ich als Anfänger arbeite
#1
Hallo,

Drechseln ist ja für viele ein Buch mit sieben Siegeln und um die notwendige Ausrüstung ranken sich auch wilde Gerüchte. Deshalb beschreibe ich mal meine Anfängerausrüstung und das, was ich für wichtig halte. Eränzungen sind jederzeit erwünscht.

Drechselbank:
gibt es von 90€ (Einhell) bis 10000€. Eine elektronische Drehzahlregelung empfinde ich als "must have". Nur so kann ich die am Anfang der Bearbeitung des Werkstücks auftretenden Vibrationen optimal abfangen. Die Leistungsdaten machen (neben dem Namen) den Preis. Ich habe mich damals für die Holzmann DFX460 entschieden. Damit kann ich Durchmesser bis 30cm bearbeiten, in der Länge bis 40 cm. Gut erweiterbar. Preis rd. um 400 €
Ein Anfänger hat kaum sofort die ganz dicken Holzbrocken zur Verfügung. Wenn ich, was ich tue, die Maschine pfleglich behandle, kann ich sie in ein, zwei Jahren gut wieder verkaufen und eine Stufe weitergehen.
Wichtig ist ein kompatibles Gewinde zur Aufnahme von Flachscheibe und Spannfutter (heute meist M33)

Spannfutter/Spannbacken
Die Bänke werden meist ohne Spannfutter/-backen geliefert. Hier gibt es eine umfangreiche Zubehörindustrie. Ich habe mich für ein Nova/Technatool Spannfutter entschieden, da es hierfür verschiedene Spannbacken für die unterschiedlichen Spannmethoden gibt und es mit allen gängigen Bänken kompatibel ist. Preis mit drei paar Spannbacken und einer Spannschraube rd. 200 €.

Bohrfutter für den Reitstock
Zum exakten Ausführen von Bohrungen auf der Drechselbank. Man kann auch ein normales Bohrfutter mit einem Handgriff versehen, aber bei mir bleibt da immer ein mulmiges Gefühl und ich halte keinen 40er Forstner wenn er denn mal einhakt. Preis rd. 45 €

Sägen
Zum Vorbereiten der Rohlinge, insbesondere bei Schalen u. ä. braucht es eine geeignete Säge. Ob Kettensäge (Benzin/elektr.) oder größere Bandsäge ist eigentlich egal. Für mich war eine elektr. Kettensäge von Dolmar (100 €) das machbare Optimum. Auf die größere Bandsäge spare ich noch. Die athletischen Bastler können das natürlich auch mit einer Japanerin machen.

Drechseleisen
gibt es wie Sand am Meer. Bitte Finger weg von Chinaware. Das muß schon einwandfreier HSS-Stahl sein, sonst fliegt einem das Ding um die Ohren oder ist nach einem ordentlichen Schlag total verbogen. Die Sets zu fünf für 70 € sind Müll. Gute Amateureisen werden z. B. von Crown hergestellt. Als Beginner braucht es
- eine Schruppröhre
- ein/zwei Spindelröhren
- ein/zwei Schalenröhren
- Flachmeißel und
- Abstechstahl
Durchnittspreis 50 € pro Eisen.


Schleifen
Verbrauchsmaterial liste ich mal nicht auf. Von Körnung 80-400 sollte man aber durchgängig sortiert sein. Für mich ist eine kleine weiche Schleifscheibe (3-5 cm) für die Bohrmaschine eine große Hilfe, insbesondere im Inneren von Schüsseln.

Oberflächenversiegelung
Der Chemiebaukasten ist unendlich, aber auch mit einem Cellulose Schleifgrund, der billigen Leinölfirnis aus dem Baumarkt und einer Dose Möbelwachs kann man schon beachtliche Ergebnisse erziehlen.

Schleifstation
Ohne scharfe Eisen gibt es kein gutes Ergebnis, im Gegenteil, stumpfe Eisen sind gefährlich, weil man zuviel Druck ausübt. Die Schärfstation kann aus einem Bandschleifer gebaut werden, ein Naßschleifer tut es auch, in eine tormeck für 700€ braucht man nicht zu investieren. Wichtig ist, sich einen verstellbaren Anschlag herzustellen, da die verschiedenen Eisen in verschiedenen Winkeln angeschliffen werden müssen. Wiederkehrend gleiche Schleifwinkel sind wichtig für Ergebnis und Sicherheit (Irgendwo in meiner Historie habe ich den Bau des Anschlages für meinen Naßschleifer dokumentiert).

Drechselkurs
Da scheiden sich die Geister. Wer, wie ich, gut durch Abschauen lernen kann, dem helfen die zahllosen YT-Videos weiter. Drechselkurse werden angeboten so rd. um 200-250 € für ein/zwei Tage, es gibt natürlich auch die "Wochen(end)kurse mit Familienanschluß"

Zusammengefasst ist man unter 1000€ voll dabei. Das soll nicht großspurig klingen, das ist auch für mich sehr, sehr viel Geld.

Hoffentlich habe ich jetzt mehr Fragen beantwortet als aufgeworfen.
Grüsse
----
Wos I net konn, konn Silikon
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#2
Schön dokumentiert und auch für mich als „irgendwann-mal-Anfänger“ sehr interessant Thumbs Up.
Da hat man dann mal ein Gefühl für die Einstiegskosten.
Gruß,
Michael

......denn das Kind im Manne stirbt nie.......


YouTube: Mixbambullis
Instagram: Mixbambullis
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#3
Ich hänge mich mal an Christian. Maschinen plus Werkzeug beziehe ich bei https://www.drechslertreff.net/ eine kleine Firma bei Sinsheim die gute Preise und keinen Murks im Programm hat. Dort finden am 12. und 13. Oktober auch Wiedemanns Drechslertage statt. Empfehlenswert da Maschinen gezeigt und vorgeführt werden. Es gibt auch Prozente. Ist das jetzt Schleichwerbung ? Bin aber weder verwandt noch verschwägert.

LG
Horst
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#4
Hallo Christian,

Schöne Auflistung Thumbs Up

Man merkt bei Dir das dir das Thema Drechseln und die Begeisterung dahinter ins Gesicht geschrieben ist  Smile

Da ich auch erst vor kurzem begonnen habe, und die meisten Punkte von Christian nur unterschreiben kann, werde ich nur die Differenzen zu meiner "Ausrüstung" aufzählen.

Drechselbank:

Schon bei der Anschaffung war ich darauf bedacht diese auch unter der Werkbank verstauen zu können, wenn mal größere Projekte anstehen.
Meine Wahl viel auf die Drechselmeister Miditec 175-FU (auch bekannt als Midi FU-350). Gleich dazugeordert habe ich die Bankbett-Verlängerung für ca. 140€

Diese hat 3 Geschwindigkeitsbereiche (per Riemen) welche per FU (Frequenz-Umrichter) variiert werden können. Ich habe eigentlich immer Stufe 2 in Verwendung.
  • 80-800
  • 170-1700
  • 350-3.700
Diese Bank war zwar teurer als das was ich ursprünglich ausgeben wollte, aber der Besuch im Drechselgeschäft mit dieser Maschine im Vorführ-Park, vereint mit dem überzeugenden Beratungsgespräch brachte die nötige Erkenntnis, das diese Maschine genau die Richtige für mich ist. Ein Paket-Preis für ein Komplett-Set inkl. Bohrfutter, Eisen, Spannfutter, Bank-Bettverlängerung, Schleifmittel,.... hat dann den endgültigen Ausschlag gegeben.

Spannfutter/Spannbacken


Nova 2 /Teknatool als Set, + 3 alternative Backen

Drechseleisen

Crown ist vom Preis- Leistungsverhältnis wirklich fair.
Dazu habe ich noch 

Sorby Sovereign Ultimate
CROWN CRYO Revolution (das ist die kleine Ausführung)

Schleifen

Hier schwöre ich auf das Abranet, das ich zum 1. Mal beim Drechselkurz mit normalem (hochwertigem) Schleifleinen vergleichen durfte

Oberflächenversiegelung

CHESTNUT WOODWAX 450ml, die halbe Dose habe ich jetzt verbraucht, und es waren schon einige Werke dabei. Kann man super aufpolieren.
Renuwell Holzbutter, hat mein Händler für Schüsseln, Schalen und Teller empfohlen wo Lebensmittel (ohne Schale) reinkommen. Für Äpfel z.B. als klassiche Obst-Schale verwende ich das Wachs von oben.

Schleifstation

Hatte schon von meiner Messer-Schleiferei eine Woodstar WG8, allerdings mit 800er Sun-Tiger Stein von Feine-Werkzeuge (250er Stein auf 200er Maschine)
Auch das Tormek-Schleifset für Drechseleisen habe ich mir geleistet.
Nachdem die WG8 ersetzt wurde, kam gleich eine Tormek T8 ins Haus. (Zum Kurs einer T4, sonst hätte ich die nicht genommen)
Den Qualitätsunterschied merkt man deutlich, meine Empfehlung wäre allerdings die JET Jssg-10

Drechselkurs

Ich hatte meine Drechselbank bereits 4 Monate als ich zum Kurs ging (mit einem Arbeitskollegen)
Man lernst schon einiges dazu, aber das meiste habe ich, so wie Christian, per Youtube abgeschaut. Holzwerken.net kann ich da empfehlen (Martin Adomat)

Summa-sumarum macht das schon ein passables Sümmchen, das ich zuvor angespart hatte (und ein wenig drauf gelegt ... )
Ohne die Tormek, den Kurs und die beiden "Spezial" Eisen waren es ca. 1600€

Dafür bekommt man nicht mal eine Drechselbank der nächsten Größe inkl. Untergestell.

LG,
Löschi
"Ich rate, lieber mehr zu können als man macht, als mehr zu machen als man kann" 
by Berthold Brecht
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#5
Danke das du dir die Mühe gemachst hast. Smile
Diese Drechselbank hatte ich mir auch gekauft, mit Verlängerung.
Natürlich auch an loeschi Dank.
Moin
    Klaus Wink

Denken ist die schwierigste Arbeit, deshalb machen es so wenige.
Henry Ford
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