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[Projekt] Spanferkelgrill aus Edelstahl
#1
Hallo liebe Gemeinde,

es ist mal wieder an der Zeit ein neues Projekt von mir vorzustellen. Passend zur WM hab ich einen Spanferkelgrill aus Edelstahl für einen Freund von mir gebaut. Der wird dieser Tage 40 (Olleee oleee olee ollee) aber Gründe zum Grillen und feiern gibts ja immer. Shy Shy

Vorgabe war: Innen eine Breite von 120 cm; Preis max. 1000 €; Muss auch für Rollbraten geeignet sein, Darf scho a bissl ausgfippt sein.

Nach einiger Beratung und Planung hab ich mich für ein gewagtes Konzept entschieden. Ich wollte keinen der üblichen Grillvarianten bauen - also kein Gas (ist viel zu teuer und Wartungsintensiv -> gefährlich bei falscher Handhabung), keinen der von hinten mit Kohle/Holz beheizt wird (nicht wirtschaftlich, weil zu viel Wärme nach hinten und oben verloren geht) und auch keinen der von unten mit Kohle/Holz beheizt wird (schlecht zu regulieren und keine Möglichkeit den Bratensaft aufzufangen; nur eingeschränkt zu benutzen -> nämlich nur als Spanferkelgrill).

Ich habe mich stattdessen für einen geschlossenen thermisch isolierten Grill mit indirekter Befeuerung mittels "Bottom Fire Box" entschieden. Wurde so meines Wissens nach noch nie gebaut oder ausprobiert. Also RISIKO.
Die Vorteile sprechen aber für sich.
1.) Maximale Ausbeute des Heizmaterials da der Garraum durch das entstehende heiße Rauchgas erhitzt wird und die Strahlungs- und Konvektionswärme der Feuerbox von unten mit genutzt werden kann.
2.) Maximale Flexibilität. Durch den Einbau von Rostträgern kann in diesem Grill auch gesmokert werden und durch ein Drehkarussell auf dem Hauptdrehspieß können bis zu 4 Einzelspieße mit Grillgut bestückt werden.
3.) Die geschlossene, thermisch isolierte Bauform spart Energie.

Jetzt aber mal zu den Fakten:
der Grill ist 126 cm breit zzgl. Antrieb und angebautem Digitalthermometer (das wäre eigentlich auch mal ein eigenes Projekt - hab ich schließlich auch selbst gebaut Tongue )
66 cm tief zzgl. Griff für die Glastüre und zzgl. Abdeckung des Umluftmotors,
sowie 173 cm hoch.

Der Rahmen wurde aus 30x30x2 mm Rechteckrohr geschweißt. Danke an dieser Stelle an meinen Bruder, in dessen Werkstatt der Rahmen entstand. Die Möglichkeiten in meiner Werstatt sind hierfür einfach nicht ausreichend. Ich sage nur Schweißtisch und Platz. Hier ein paar Bilder dazu.

[attachment=9436][attachment=9437][attachment=9438]

Bild 1 Zeigt die Zuschnitte, Bild 2 den gehefteten Rahmen, Bild 3 den ferig gescheißten Rahmen incl. Räder. Die habe ich übrigens von "der-rollende-Shop.de" bei denen ich alle meine Räder kaufe, weil die eine riesige Auswahl mit fast unschlagbaren Preisen haben. Ich habe für diesen Grill 125er Räder mit Feststeller und "Blue Weels" verwendet.

Den fertigen Rahmen hab ich dann zu mir nach Hause geholt um die abschließenden Arbeiten auzuführen.
Als erstes habe ich alle Blechteile gezeichnet / skizziert um sie bei einem befreundeten Metallbauer anzufertigen. insgesamt waren das 25 Teile für die ich insgesamt (mit Verschnitt) 3 Tafel Mittelformatblech benötigte (1250x2500x1mm), sowie 1/2 Tafel Kleinformat 1000x2000x2. Ich habe mich hierbei für polierten Edelstahl vom Typ 1.4016 (X6Cr17) entschieden, da dieser wesentlich günstiger ist (kein Nickelanteil). Die schlechte Schweißeignung war für mich nicht ausschlaggebend, da alle Bleche genietet wurden. Für die zu scheißenden Teile Edelstahl vom Typ 1.4301 (X5CrNi18-10).

Nachdem ich alle Blechteile zu Hause hatte gings also wieder ans Werk. Bleche einnieten. Damit mir hier nicht die Hand abfällt hab ich alles mit einer pneumatischen Nietzange genietet. Das rentiert sich in diesem Fall wirklich. Meine Zange ist eine Hazet 9037-2, es tut aber auch jede andere günstigere.

Hier wieder ein Bilder nach dem einnieten der Bleche.

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in Bild 8 sind die Einlassrohre für das Rauchgas sowie der Umluftventilator recht gut zu sehen. In Bild 6 seht ihr auch die eingelegte Traufwanne in der sich hoffentlich auch sehr gut Kartoffeln und anderes Gemüse als Beilage garen lassen. Auch die eingenieteten Rostauflagen sind schon drin.

Jetzt war es auch schon Zeit den Drehspieß und die Aufsatzkarruselle zu bauen. Ein einfaches 25x25x2 mm Vierkantrohr mit einer aufgeschweißter Spitze reicht als Ferkelspieß völlig aus. Die Außen aufzusetzenden Spieße für Rollbraten etc. sind aus 10x10 mm Vierkantedelstahl. Gehalten werden die Spieße durch M6 Flügelschrauben (vorerst), die Später durch Edelstahl Ösenschrauben ersetzt werden. Diese lassen sich im heißen Zustand mithilfe eines Hakens leichter und vor allem ohne sich die Finger zu verbrennen lösen. Der Hauptspieß muss nicht fixiert werden. Er hält einfach durch seine Form im Antriebsstrang und kann auch nicht herauswandern. Ich kann das hier leider nicht erklären, das müsste man Live sehen wieso das so ist.

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Als nächstes war die Ofentüre dran. Hier hab ich mich von einem Computergehäuse inspiriern lassen. Siehe Bilder.

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Also wieder Rahmen schweißen, ESG Glas bestellen,  Drehpunkte gemäß dem PC Gehäuse berechnen / umrechnen und auf die Ofentüre anwenden, Scheibe einkleben (mit HT-Silicon bis 350°C).

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Trotz eines Gewichts von rund 8,5 kg lässt sich die Türe erstaunlich leicht öffnen und braucht keinen Gasdruckdämpfer als unterstützung. Abgedichtet wurde das Ganze mit Glasfaser-Ofendichtschnur.

Fehlt nur noch die Heizquelle und die Rauchgaszuführung.
Die Heizquelle hab ich aus einem alten Ausdehnungsgefäß einer Zentralheizung gebaut. In der Mitte auseinander geflext, einen 15 cm Blechstreifen eingeschweißt und eine Ofentüre eingebaut. Als Feuerrost dient ein alter Gullirost aus Gusseisen vom Schrotthändler.
Das Rauchgas wird über eine 90mm Edelstahlleitung in den Garraum geleitet, die mit Baktan (Temp.beständig bis 1200 °C) in das Einlassblech eingeklebt wurde.

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Nachdem der mechanische Aufbau fertig war hab ich mich an die Elektrik gemacht. Der Grill ist mit einer Ofenleuchte sowie einem Umluftventilator ausgestattet. Alle elekrtischen Leitungen wurden aus Glasseide Ummantelten Leitungen ausgeführt. Der Rahmen und alle metallischen Teile sind separat geerdert. Rechts am Grill befindet sich das digitale Thermometer das sowohl die Rauchgas- als auch die Garraumtemperatur überwacht. zusätzlich kann an der Vorderseite ein externer Fühler angeschlossen werden, mit dem die Kerntemperatur des Grillguts gemessen werden kann. Ein Regler stellt die Drehgeschwindigkeit des Spiesses ein. Im Display ist auch noch ein Timer integriert der die Grilldauer aufzeichnet. Wie Eingangs erwähnt wäre das Thermometer eigentlich ein eigenes Projekt wert. Es ist ein Ableger aus einem ander Projekt, das ich bislang leider noch nicht fertig stellen konnte. Darum hier nur ein paar Bilder vom Gehäuse und vom Innenleben. Getrieben wird das Thermometer von einem Arduino Nano das zudem noch eine PWM Motorsteuerung beinhaltet, um den Scheibenwischer Motor zu regeln.

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Testlauf:
Jetzt wird's komisch. Big Grin 
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2 einsame Würstl drehen sich in einem 1000 € Grill - aber nach 25 min. kann ich doch mit Fug und Recht behaupten: Die Käsgriller waren saulecker  Big Grin Laught2

Fazit:
Die geforderten Vorgaben wurden erfüllt. Die Materialkosten beliefen sich auf ca. 700 € - der Rest ist für mich. Juchuuu ich bin Reich - was kümmern mich 80 Std. Arbeit. Dafür bekomm ich lebenslang eine Einladung wenn dieser Grill eingesetzt wird. Tongue Thumbs Up 

Was kann dieser Grill?

Auf diesem Grill kann ein Spanferkel gegrillt werden !! (so ca. 40 - 50 kg)
oder ca. 80 kg Rollbraten
oder ein Lamm
oder 3 ganze Puten
oder 28 Hähnchen
oder ca. 100 kg Pulled Pork
oder ca. 150 ganze Schweinerippchen = ~80 kg
oder.... oder.... oder..
zusätzlich könnte man noch dazu 1/2 Zentner Kartoffeln mitgaren
oder 60 Maiskolben
oder was weis ich noch alles für Gemüse Krimskrams Idea Idea Idea Idea

ich bin jetzt auf alle Fälle Mega gespannt, denn nächstes WE ist es soweit und der Grill wird seine Bewährungs- und Feuerprobe erhalten.


DRÜCKT UNS DIE DAUMEN.

Bilder vom fertigen Grill hab ich leider noch keine, ausser vieleicht das hier.

[attachment=9475]
Liefere ich jedoch noch nach - versprochen.
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#2
sieht sehr professionell aus
teures Werkzeug ersetzt nicht das Talent Wink
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#3
Thumbs UpTop Arbeit Thumbs Up
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#4
Was für eine Maschine. Sie sieht aus, als sollte sie in der Gastronomie professionelle Verwendung finden. Top, top und nochmal top.

Merkwürdig ist allerdings, dass eine Bache einen Spanferkelgrill konstruiert. Das klingt schon fast nach Kanibalismus. Wink
Liebe Grüße
Andreas


Man kann es gar nicht vermeiden täglich hinzuzulernen!

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#5
Hammergeiles Teil....Hut ab....super durchdacht und umgesetzt....der hält ewig....würde auch gut in meinen  Garten passen wenn ich Feten mache...wenn er neben meinem  gebaurem Tresen  steht...        
bin gespannt auf die Bilder wenn er in aktion ist.
lg Jörg
arbeite 30 Minuten mit dem Kopf und dann 10 Minuten in der Praxis und nicht umgekehrt.
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#6
Der Tresen ist aber auch nicht schlecht, Jörg. OK, technisch nicht ganz so aufwendig, sieht aber saugut aus.
Liebe Grüße
Andreas


Man kann es gar nicht vermeiden täglich hinzuzulernen!

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#7
hier meine einfachere Version.... ich krieg schon wieder Hunger Tongue 

       
teures Werkzeug ersetzt nicht das Talent Wink
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#8
hmmmmmmm.....leggggggaaaaaa
arbeite 30 Minuten mit dem Kopf und dann 10 Minuten in der Praxis und nicht umgekehrt.
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#9
Ist das noch ein Grill odr eher eine Hightech-Gastro-Outdoor-Fleischzubereitung? Damit machst du jeder mittleren Kneipe im Sommer Konkurrenz.

Grüße
----
Wos I net konn, konn Silikon
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#10
Sagenhaft, einfach TOP! Thumbs Up Thumbs Up Thumbs Up  Genital Wink
VG Jörg

Mit dem größtmöglichen Aufwand und Kosten den geringsten Nutzen erzielen......
das nennt man Hobby!
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